Mal wieder ein paar Pinot noir probiert

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Pinot noir Jahrgang 2011

Die Faszination der Sorte Pinot noir liegt sicher darin, dass die daraus erzeugten Weine die Herkunft klar abzeichnen. Die Qualität der Weine ist stark vom Boden, dem Mikroklima und dem Erzeuger abhängig. Der Jahrgang 2011 hatte zumindest in Europa eine speziellen Verlauf. Der Frühling war ungemein warm und trocken, es wurde schon befürchtet, dass es ein ähnliches Jahr wie 2003 geben könnte, der Sommer war dann aber sehr nass und eher kühl. Dies hat zu einem im Grossen und Ganzen durchaus guten Jahrgang geführt.

Um zu sehen, wie es um die Qualität von einigen Weinen aus der Sorte steht, wurden etwa zwei Dutzend Weine, mehrheitlich aus den Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich, blind verkostet. Die Vorgabe war der Jahrgang 2011. 9 Degustatoren haben sich den Weinen angenommen, alle Weine wurden vor dem Einschenken kurz dekantiert und zurück in die Flasche gefüllt. Die Qualität der Weine wurde einhellig als hoch empfunden. Fehlerhafte Weine waren keine dabei, ein Wein konnte aufgrund eines Korkfehler nicht bewertet werden.

Die vier am Höchsten bewerteten Wein lagen alle über 17/20 Punkten und repräsentieren die wichtigsten Herkunftsländer dieser Degustation.

Der Gewinner stammt, wie schon bei der letzten Degustation, aus Österreich. Es handelt sich um den Pinot noir Grand Select 2011 vom Weingut Wieninger aus Wien. Die Trauben für diesen Wein stammen aus den beiden Rebbergen Bisamberg und Nussberg. Der Bisamberg besteht aus Löss auf massivem Kalkgestein, der Nussberg zeichnet sich durch seinen Muschelkalkverwitterungsboden aus. Die Trauben werden vollständig abgebeert und für 6 Tage kaltmazeriert, dann wird die Gärung mit den eigenen Hefen durchgeführt. Der Ausbau erfolgt in zu 50% neuen burgundischen Fässern. Während etwa 9 Monaten wird die Hefe aufgerührt, der Wein lagert fast zwei Jahre in den Fässern. Die Weine werden ohne Schönung oder Flitration in Flaschen gefüllt.

Meine Degustationsnotizen: offene Kirschfrucht, Himbeeren, tabakige Holznoten, fruchtiger, voller Antrunk, saftige, rotbeerige Frucht, vielschichtig, noble, noch deutlich spürbare Holzaromatik, mürbe Gerbstoffe, langer mineralischer Abgang. Ein Wein mit Potential, 17.5/20 2017 – 2026 Der Jahrgang 2013 ist für CHF 49.40 bei der Weinhandlung Klapotetz erhältlich.

Auf Platz zwei landete, für Viele überraschend, der Pinot noir Carneros 2011 der Schug Winery aus Kalifornien. Das Weingut wurde 1983 vom deutschstämmigen Walter Schug gegründet. Die Reben für diesen Wein stehen auf muschelreichen Kalkböden. Die Rebberge sind gegen Osten ausgerichtet und profitieren von kühlen Winden.Die Trauben stammen zu je ca. 25% aus vier verschiedenen Weinbergen im Carneros-Gebiet. Die Gärung erfolgt während 6-8 Tagen in Chromstahltanks mit 3x täglichem Untertauchen des Tresterhuts. Der Ausbau erfolgt während 2 Monaten in 3’000 Liter Holzfässern und dann während 9 Monaten in zu 20% neuen 227 l Barriques.

Mein Kommentar: offene Frucht, leicht exotische Fruchtnoten, auch Kirschen und Rotfrüchte, fleischige Untertöne und vanillebetonte Holzaromen, weicher, fruchtiger Antrunk, auch am Gaumen dominieren die exotischen Fruchtnoten, Vanille, die Gerbstoffe sind sehr weich, der Wein ist elegant und harmonisch. Im Schnitt 17.3/20 2017 – 2021. Meines Wissens ist der Wein in der Schweiz nicht erhältlich, in Deutschland ist der Jahrgang 2013 bei Pacific Wines für € 33.- erhältlich.

Auf Platz drei konnte sich nicht der Monolith sondern der Trocla nera 2011 des Weinguts zur Sonne von Franzisca und Christian Obrecht plazieren. Der Monolith 2008 hatte die Degustation im Jahr 2012 gewonnen und fiel im Jahr 2015 leider wegen eines Korkfehlers aus. Es ist eine bemerkenswerte Leistung schon wieder vorne mit dabei zu sein, diesmal mit dem „einfacheren“ Wein. Mein Kommentar: offene Rotfrucht, vor allem Himbeeren, ganz dezent etwas Holzanklänge, weicher, sehr fruchtiger Antrunk, dicht, mit viel Schmelz, im Moment voll auf der Frucht, langer, fruchtiger Abgang. Der Wein befindet sich auf dem ersten Höhepunkt, hat aber durchaus noch Potential. Im Schnitt 17.2/20, 2017 – 2021, der Jahrgang 2014 ist ab 18. April auf dem Weingut für CHF 30.- erhältlich.

Knapp dahinter auf dem vierten Rang liegt der erste Wein aus Deutschland: Trarbacher Schlossberg 2011 vom Weingut Molitor an der Mosel mit 17.1/20 Punkten. Der Wein kann bei der Weinhandlung Ullrich für CHF 49.50 noch bezogen werden. Auf Rang fünf der nächste Kalifornier: Pinot Noir Savoy 2011 vom Weingut Radio-Côteau im Anderson Valley mit 16.8/20 Punkten. Auch dieser Wein ist bei der Weinhandlung Ullrich für CHF 69.- noch erhältlich.

Die gesamte Liste der Degustation kann hier angesehen werden: Pinot noir 2011-Degustation vom 12. Februar 2017

Da es sich auch bei dieser Degustation um eine Momentaufnahme handelt, haben wir uns entscheiden die Degustation in zwei Jahren erneut durchzuführen. Ich habe die meisten Weine am nächsten Tag nachdegustiert und kann bestätigen, dass es zu recht dramatischen Verschiebungen gekommen wäre, wenn die Verkostung mit den Weinen durchgeführt worden wäre, nachdem diese 24 Stunden Zeit hatten sich zu entwickeln. Dies führt unweigerlich zur Frage, wann denn der richtige Zeitpunkt für eine Verkostung sei. Es gibt meines Erachtens keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Wenn es darum geht die Qualität zum Zeitpunkt X zu bestimmen, dann ist unser Vorgehen sicher korrekt. Wenn es aber darum geht das Potential eines Weines zu bewerten, dann macht wäre es sinnvoll entweder die Weine entsprechend lange zu lagern oder die Weine eben vorgängig zu belüften, um zu sehen, wie sie sich entwickeln.

Eines meiner nächsten Projekte ist eine Degustation, welche beides aufzeigen soll. Die Weine werden am Tag X degustiert und dann 24 Stunden später nochmals verkostet, um zu sehen, wie sich die Qualität der Weine mit der Luftzufuhr verändert. Was dabei herauskommt, werde ich berichten sobald der Anlass stattgefunden hat.

2 Antworten

  1. Meng Ernesto

    Habe heute spontan Trocla Nera 2017 von OBRECHT probiert. Er ist sehr hell, beerige rauchige typische Nase. Im Gaumen sehr säurebetont, keine Frucht, kurzer sehr bitterer Nachhall. Bin sehr enttäuscht. Wässeriger dünner Alltagswein aber für Fr 31 zu teuer. Haben Sie 2017 auch degustiert? Oder habe ich fehlerhafte Flasche erhalten. Bin pensionierter Sommelier und habe OBRECHT mit Kollegen 2007 degustiert und alle waren begeistert. Besten Dank. Liaba Gruass us Jenins.

    • admin

      Lieber Herr Meng,
      nein 2017 habe ich noch nicht probiert. Ich bin aber sicher, dass der Wein viel zu jung war, um schon abgestraft zu werden. Aus meiner Erfahrung brauchen die Obrecht-Weine ein paar Jahre bis sie sich von der schönsten Seite zeigen.
      Beste Grüsse
      Johannes Anklin

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